Herzliche Einladungen des NAV an Kolleginnen und Kollegen und ihre Schülerinnen und Schüler zu drei Vorträgen im November in Hannover und Oldenburg:

  • Montag, 9. 11. 2026, 12 Uhr, in der Aula der Wilhelm-Raabe-Schule Hannover (zum aktuellen Zentralabitur-Thema) - Prof. Dr. Christiane Kunst, Osnabrück: Catilina und die Frauen oder die Krise der Männlichkeit
  • Dienstag, 10. 11. 2026, 19 Uhr, in der Aula des Alten Gymnasiums, Oldenburg (zum aktuellen Zentralabitur-Thema) - Dr. Uwe Walter, Bielefeld: Staatskrise oder Fake History? Geschichte als Konstrukt in Sallusts Coniuratio Catilinae
  • Mittwoch, 18. 11. 2026, 18 Uhr, im Museum August Kestner, Hannover (öffentlicher Vortrag) - Prof. Dr. Gyburg Uhlmann, Nürnberg: Ist es egal, ob etwas wahr oder falsch ist? Populistische Rhetorik und die Frage nach der Wahrheit

Montag, 9. 11. 2026, 12 Uhr, in der Aula der Wilhelm-Raabe-Schule Hannover, zum aktuellen Zentralabitur-Thema

Prof. Dr. Christiane Kunst, Osnabrück:

Catilina und die Frauen oder die Krise der Männlichkeit

Der Vortrag zum aktuellen Zentralabitur-Thema beleuchtet Catilinas vielfältige Interaktionen und emotionalen Verstrickungen mit Frauen vor dem Hintergrund einer Diskussion über Zuschreibungen von weiblichen und männlichen Eigenschaften wie typischen Handlungsfeldern der Geschlechter am Ende der Republik.

Bitte senden Sie bis zum 06. November 2026 eine Mitteilung an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, mit wie vielen Personen Sie in der Wilhelm-Raabe-Schule Hannover am Vortrag teilnehmen werden.


Dienstag, 10. 11. 2026, 19 Uhr, in der Aula des Alten Gymnasiums, Oldenburg, zum aktuellen Zentralabitur-Thema

Prof. Dr. Uwe Walter, Bielefeld:

Staatskrise oder Fake History? Geschichte als Konstrukt in Sallusts Coniuratio Catilinae

Wir leben in Zeiten eines merklichen Vertrauensverlustes. Dieser erfasst nicht nur das Funktionieren von Institutionen oder die Aussichten für die Zukunft; er betrifft auch die Frage, wie verlässlich die üblicherweise vermittelten Erzählungen über Vergangenheit sind. Daran ist ›die Wissenschaft‹ nicht unschuldig, da aus bestimmten erkenntnistheoretischen Überlegungen heraus solche Erzählungen vielfach als interessegeleitete Konstrukte, bisweilen als beliebig formbare »Narrative« angesehen werden – dieses Wort erfreut sich inzwischen (allzu) weiter Verbreitung. Hier ist also Klärungsarbeit zu leisten.

Am Beispiel der sogenannten Catilinarischen Verschwörung, die Cicero in seinen berühmten vier Reden und anschließend Sallust in seiner historischen Monographie ihren Hörern und Lesern vor Augen gestellt haben, lässt sich zeigen, wie ein historisches Ereignis literarisch ›hergestellt‹ wird: Weder bildet die Darstellung die Vorgänge einfach ab noch bietet sie reine Fiktion. Der spannende Raum zwischen diesen beiden Extremen eröffnet den Raum für historische Kritik; diese hat nicht zuletzt zu berücksichtigen, welche Wahrnehmungsmuster und Orientierungsbedürfnisse von Menschen und sozialen Verbänden am Werke sind, wenn es gilt, aus verschlungenen, nur teilweise erkennbaren Handlungen und Ereignissen eine sinnvolle und bedeutsame Geschichte zu machen, die im besten Fall zum aktiven Handeln führt. Der Vortrag beleuchtet Sallusts Coniuratio Catilinae aus dieser Perspektive.


Mittwoch, 18. 11. 2026, 18 Uhr, im Museum August Kestner, Hannover (öffentlicher Vortrag)

Prof. Dr. Gyburg Uhlmann, Nürnberg:

Ist es egal, ob etwas wahr oder falsch ist? Populistische Rhetorik und die Frage nach der Wahrheit

Demokratien stehen heute von außen unter Druck. Noch stärker aber ist der Druck von innen: durch Populisten, die die Meinungen ihrer Zuhörer manipulieren und mit einfachen Antworten polarisieren, aber auch dadurch, dass – getrieben von generativer Künstlicher Intelligenz – in den sozialen Medien der Eindruck erweckt wird, dass es so etwas wie richtig oder wie Fakten gar nicht gibt. Niemand könne unterscheiden, ob etwas wahr oder Fake sei. Daher müsse eigentlich immer alles in Frage gestellt werden. Die Folgen für die Demokratie sind oder wären dramatisch. Aber stimmen die Prämissen? Ist es wirklich nicht (mehr) möglich, den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu überprüfen? In dem Vortrag stelle ich Beispiele und Strategien populistischer Rhetorik vor, die den Abschied von Fakten und Wahrheit zelebriert. Dagegen präsentiere ich aber auch Texte und Ideen aus der Antike, die etwas gegen solche Tendenzen entgegenzusetzen haben. Mit einem Durchgang durch unterschiedliche Konzepte von Rhetorik und Philosophie bereite ich die These vor, dass auch für uns heute der Unterschied zwischen wahr und falsch wichtig ist und warum er nicht aufgegeben werden darf.