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Am Montag, d. 22.08.2016, findet in der Aula des Kaiser-Wilhelm-und Ratsgymnasiums Hannover (Seelhorststr. 52, 30175 Hannover) von 11.30 Uhr – ca. 12.30 Uhr ein Vortrag von Dr. Tony Pacyna aus Heidelberg zum Abiturleitthema Latein 2017/2018 (Senecas epistula morales) statt. Der Vortrag ist konzipiert für Kolleginnen und Kollegen und für Schülerinnen und Schüler.

“Das gute Leiden - Überlegungen zu einer Leibphänomenologie bei Seneca”

Als Stoiker war die sichtbare reale Welt für Seneca ein Produkt der göttlichen Weltvernunft – des ewigen Logos – eines die Welt durchwirkenden göttlichen Geistes. Menschen haben daran Anteil, weil sie in ihrer Seele einen Teil dieses göttlichen Funkens in sich tragen. Jedoch kann die Seele allein nicht wirken. Nur vermittels des Körpers ist die Seele in der Lage, die Gesetzmäßigkeiten der Natur–und damit den göttlichen Logos–zu erkennen und darin zu wirken. Doch ist der Körper in der Welt die menschliche Schwachstelle: als Materie ist er dem Leiden unterworfen. Allein die Philosophie kann den Stoikern zufolge das Leiden der Menschen mindern und die Zeit bis zum errettenden Tod überbrücken. Für die Stoiker war Leiden also etwas negatives, das es zu überwinden galt.

Allerdings zeigt Seneca am Beispiel eines Gladiators, dass ein körperliches Leiden nicht allein als zu überwinden gilt. Der Gladiator übernimmt dabei eine doppelte Funktion: Einmal lässt sich zwar sein Leiden nie vollständig in Sprache ausdrücken. Für den Gladiator selbst wird sein Leiden aber zum Identitätsmerkmal. Als Leidender wird er aber andererseits von Zuschauern wahrgenommen, die sich seine Leiden bestenfalls vorstellen können. Leiden wird eingebettet in eine gesellschaftliche Komplexität, denn die Körperlichkeit der Zuschauer ermöglicht überhaupt erst ein Mit-leiden des Gladiators–und somit den Reiz solcher Spiele in der Antike.

Mein Beitrag wird sich mit dieser Ambiguität des menschlichen Körpers beschäftigen. Ausgehend von Senecas Briefen werde ich auch zeitgenössische Debatten zur Leibphänomenologie berücksichtigen, und zeigen, dass die Leidensfähigkeit des Menschen, den Menschen überhaupt erst zum Menschen machen. Obwohl jeder für sich allein er-leidet, empfinden wir doch beim Leid anderer Mit-leid.

Melden Sie sich bitte mit Schülerzahl mittels Rückantwort oder unter folgender Mailadresse an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Für Schülerinnen und Schüler wird ein Kostenbeitrag von 1 Euro pro Person erhoben; für Kolleginnen und Kollegen ist der Vortrag frei.

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